Magazin - 18.06.03
Neue slowenische Kunst und subversive Provokation
Das KünstlerInnenkollektiv NSK

NSK ist ein KünstlerInnenkollektiv, gegründet 1984.

Sie wollen den utopischen Staat NSK (Neue Slowenische Kunst) schaffen, der sich allerdings nicht in herkömmlichen geographischen Grenzen bewegt, sondern als Konstrukt begriffen werden soll. Die NSK schuf imaginäre Landkarten, gab immer absurdere historische Referenzen und vereinte hopphopp verschiedenste Volksstämme. Für ihren utopischen Staat gab es auch Pässe - mit deren Hilfe sogar einigen Menschen die Flucht aus dem damals belagerten Sarajevo gelang.

Die NSK Sektoren waren breit gefächert: es gab und gibt nun abgeschwächt Abteilungen für Architektur, Design, Malerei, Theater, Film, Philosophie und Musik.

 

Die Band Laibach

Der bekannteste NSK Vertreter ist wohl die Band Laibach - benannt nach dem Namen Ljubljanas vor 1919. Laibach sind seit ihren ersten Veröffentlichungen heftigst umstritten. Im ehemaligen Jugoslawien hatten sie Auftrittsverbot, im Ausland wurden und werden sie wegen Ihrem Gebaren und Symbolismus häufig misstrauisch beäugt.

Opus Die, 1987 veröffentlicht, war ein Album, welches maßgeblich den Ruf Laibachs begründete. Aus dem Booklet springen der BetrachterIn scheinbar eindeutige Fotos entgegen: Vier Männer in einer an die Mode der 20er und 30er Jahre erinnernden Kleidung, dazu Grafiken, die stilistisch an nationalsozialistische und auch kommunistische Propagandaplakate erinnern.

Und darauf Stücke wie "Geburt einer Nation", welches folgende Vokabular enthält: "Ein Fleisch, ein Blut, ein wahrer Glaube, eine Rasse und ein Traum, ein starker Wille" in Deutsch und mit Reichsparteitagsstimme gesungen. Die eigentliche Quelle ist der ins Deutsche übertragene Queen-Songs "One Vision" (vom "A kind of magic"-Album), was zunächst keinerlei Nähe zur Nazi-Ideologie vermuten ließe, von Laibach aber entsprechend aufgebaut wird.

Laibach sind Vorreiter für die sogenannte neue deutsche Härte. Bands wie Wolfsheim und Rammstein sind auf die Laibach-Welle aufgesprungen.

Laibach selbst äußern sich nie explizit weder zu den Vorwürfen, noch, wenn sich bei ihren Konzerten Techno Naziklientel und rechte Glatzen einfinden. Die Gruppe lehnt eindeutige Aussagen ab und will jede Verwendung von politischen oder ideologischen Fragmenten als ein rein künstlerisches Spiel verstanden wissen.

Was Nonsens ist, den sie selbst untergraben. Auf ihrem Album Nato erinnert Laibach mit dem Stück "Mars on river Drina" an die Apriltage 1992, als serbische Freischärlerverbände den Drina-Fluß überschritten und begannen, eine serbisch dominierte Zone als Ausgangspunkt für ein Großserbien zu schaffen. Tausende moslemische Menschen wurden ermordet oder vertrieben und das moslemische Kulturerbe systematisch zerstört. Die Welt schaute größtenteils ungerührt zu. US-Präsident Bush senior bezeichnete damals den stattfindenden Völkermord als "Schluckauf".

Auch wenn Laibach nicht den Mund aufmachen, andere tun dies umso lauter. Viele halten Laibach für Meister der subversiven Provokation. Der slowenische Philosoph und Psychoanalytiker Slavoj Zizek verteidigte die kritisierte Nazitümelei Laibachs als künstlerische Strategie. Es sei, so Zizek, das Anliegen von Laibach, das versteckte Umgekehrte der Ideologie an den Tag zu bringen. Zizek geht soweit zu behaupten NSK und auch Laibach hätten eine immens wichtige Rolle im demokratischen Entwicklungsprozess Sloweniens gespielt.

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