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Jahr für Jahr geht der Europäischen Union viel Geld verloren,
allein etwa 2,5 Milliarden Euro durch Agrarbetrug. Doch die Langfinger
sitzen nicht selten im EU Apparat selbst.
Nachdem die Santer Kommission wegen sogenannter Unregelmäßigkeiten
mit Schimpf und Schande entlassen wurde, lag es der nachfolgenden
Kommission unter Romano Prodi umso mehr am Herzen, wieder weiße
Westen vorweisen zu können.
Es wäre ja naiv zu denken, ein so großer Apparat wie
die EU sei nicht Betrugs- oder Korruptionsanfällig.
Um Betrügereien auf die Spur zu kommen, wurde 1999 OLAF gegründet,
das Office européen de lutte antifraude,
das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung.
Die Aufgaben von OLAF umfassen:
- die Aufdeckung und Verfolgung von Betrug im Zollbereich,
- die missbräuchliche Verwendung von Subventionen
- Steuerhinterziehung, die sich auf den Gemeinschaftshaushalt
auswirkt und
- die Bekämpfung von Korruption
Und OLAF hat viel zu tun.
Die Ermittlungen startet OLAF allerdings nicht selbständig,
sondern ist auf
Hinweise von außen, sei es durch eine EU-interne Behörde
oder durch
einzelne Personen, angewiesen.
2002 häuften sich Hinweise auf eine Betrugsaffäre bei
Eurostat.
Eurostat ist das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften
mit Sitz in Luxemburg und zudem eine der Generaldirektionen der
Europäischen Kommission.
OLAF ermittelte und förderte eine Betrugsaffäre zu Tage,
die immer weitere Kreise zieht und die weißen Westen mal wieder
gründlich in Frage stellt. Drei dubiose Bankverbindungen wurden
ausgemacht, Finanztricks und schwarze Kassen gelüpft, durch
die acht Millionen Euro veruntreut wurden. Im Zentrum des Skandals
stehen der französische Generaldirektor von Eurostat, Yves
Franchet, und der ebenfalls französische Abteilungsleiter Daniel
Byk. Sie sollen ein Schwarzgeld-Konto eröffnet haben, auf das
allein 900.000 Euro überwiesen wurde. In dem Fall ermittelt
die Pariser Staatsanwaltschaft.
Auch deutsche EU-Haushaltskommissarin Michaele Schreyer gerät
immer stärker in die Kritik, die Affäre falsch eingeschätzt
und das Parlament unzureichend informiert zu haben.
Zu prüfen sind zudem Auftragserteilungen und Zahlungen von
Eurostat an Firmen wie Planistat, die sich mittels persönlichen
Verquickungen oder falschen Angaben diese Vorteile verschafften.
Unlängst gab es zur Eurostat Affäre eine Befragung der
EU-Kommissare Michaele Schreyer, Pedro Solbes und Neil Kinnock.
Pedro Solbes räumte zwar ein, dass Zitat "die Probleme
weitreichender sind als zunächst angenommen", doch eine
klarere Beantwortung und Aufklärung seitens der Kommissare
erfolgte nicht.
Köpfe sollen rollen.
Sowohl Franchet als auch Byk wurden vorübergehend ihres Amtes
enthoben. Die nochmalige Entsendung der Grünen Michaele Schreyer
als EU-Kommissarin wird ausgeschlossen.
Eine EU Staatsanwaltschaft soll aufgebaut und OLAF in seinem Tun
bestärkt werden. Frau Rühe meinte, im Vergleich zur Weltbank
oder anderen großen Organisationen schneidet die EU in Sachen
Korruption gar nicht so schlecht ab. Schließlich hat die EU
OLAF. Na, dann.
Heide Rühe, stellvertretende Vorsitzende der Grünen im
Europäischen
Parlament und Kennerin der Materie, erzählt etwas zum aktuellen
Stand ...
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