Schwerpunkt - 23.07.03
Galileo - die EU macht im Weltraum mobil
Ein Positionsbestimmungs- und Navigationssystem

Galileo ist das erste ausdrücklich für zivile Zwecke entwickelte satellitengestützte Positionsbestimmungs- und Navigationssystem, so steht es auf der offiziellen und anscheinend noch nicht aktualisierten Galileo Webseite, einer Unterseite der EU Generalkommission Verkehr und Transport.

Es ist das wohl ehrgeizigste Technologieprojekt Europas, ein Satellitennavigationssystem, das im Mai nach 3-jährigen Verhandlungen abgesegnet wurde und nun in seine Startphase tritt.

 

Unser Leben wird viel einfacher werden mit Galileo, viel ungefährlicher und organisierter.

Galileo wird zu einer sicheren und effizienteren Verkehrsgestaltung beitragen. Staus und tödliche Auffahrunfälle vermeiden und zudem die Autokolonnen direkt in die Parklücke lenken, Flug- und Schifffahrtverkehr regulieren, blinde Menschen und Patienten mit Alzheimersyndrom werden mittels Galileo geleitet werden können, die Städteplanung würde effizienter, der Public Regulated Service PRS, also Polizei und Zoll werden hurtiger arbeiten können, nicht zu vergessen die Verbesserung der Möglichkeiten für den Such- und Rettungsdienst. Sogar ExtremsportlerInnen und BootsbesitzerInnen würden von Galileo profitieren.

So wird uns verheißen.

Und Galileo sei wesentlich für die Zukunft der europäischen Industrien im Bereich der Hochtechnologien. Mit Galileo würden neue, umfangreiche Märkte erschlossen. Juhu!

 

Vorhandene Navigationssysteme: GPS (USA) und Glonass (Russland)

Aber Moment! Es existieren doch bereits 2 Navigationssysteme - das GPS das Global Positioning System aus den USA und Glonass das Global Orbiting Navigation Satellite System aus Russland. GPS wird für alle privaten Nutzungsmöglichkeiten kostenlos angeboten und ist ebenso für die logistische Steuerung von Wirtschaftsgütern geeignet. Was lesen wir: Galileo wird moderner, effizienter und zuverlässiger sein als das derzeitige US amerikanisch Positionsbestimmungssystem GPS.

 

Warum als drittes System Galileo aufbauen?

Ein eigentlicher Grund für die Galileo Installation ist, dass GPS den USA untersteht. Das Streben des Pentagon nach einer Vorrangstellung beim Satellitengesteuerten Navigieren auf der Erde als auch die erste Position im Weltraum an sich schmeckt den EU-Kraten überhaupt nicht.

So heißt es in dem Weltraumprogramm der EU:
"Die Raumfahrt ist heute ein wesentlicher Faktor für die Umsetzung europäischer Ziele und Maßnahmen, insbesondere im Zusammenhang mit einer nachhaltigen Entwicklung, dem Umweltschutz, Verkehr und Mobilität sowie der Informationsgesellschaft. Raumfahrtanwendungen liefern ferner Antworten auf neue Fragen im Zusammenhang mit der Sicherheit, die sich im Rahmen der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der EU (GASP) und der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) sowohl für den Schutz der Bürger als auch im militärischen Bereich stellen." Mehr davon auf den Seiten der EU

 

Eigentlich zivil, aber dann ...

Über den rein zivilen Nutzen von Galileo wurde auf zig Konferenzen unter den Regierungen hart gerangelt. Frankreich war stets ein Fürsprecher der Militärischen Einsetzbarkeit, Dänemark, Schweden, die Niederlande aber auch Großbritannien lehnten dies aus unterschiedlichen Gründen ab.

Um eine Einigung zu erzielen und den Weg ins Orbit freizuschaufeln, sollte das Thema erst einmal verschoben werden und erst dann wieder eingebracht, wenn Galileo genügend weit entwickelt wurde.

Nach dem offiziellen imperialistischen Coming Out der EU während des Irak-Krieges ist die Frage ohne große Debatten geklärt. Galileo soll nun offiziell militärische Bedeutung erhalten und die sogennante EU-Eingreiftruppen mit Informationen versorgen können.

 

Standortfragen und wirtschaftliche Interessen

Das lange Gerangel um die wirtschaftliche Vormachtstellung, das zwischen Italien und Deutschland ausgetragen wurde, hat sich ebenfalls entschieden.

Und zwar vom Prinzip des sogenannten "geographic return", d.h. Qualifikationen wurden so gut wie außer Acht gelassen. Der Staat, der am meisten Geld investiert, bekommt auch das größte Kuchenstück ab - und das ist die BRD.

Das ehemalige Vorstandsmitglied des Energiekonzerns Viag, der Deutsche Rainer Grohe, wurde zum Chef der für Galileo agierenden Gruppe Galileo Joint Undertaking berufen. Der Standort des Unternehmens wird in Bayern liegen. Die Durchsetzung der nationalen Interessen der BRD an Galileo lässt die deutsche Wirtschaft sich die Hände reiben. " Mit dieser Lösung können Deutschlands industrielle Kernkompetenzen bei der künftigen Schlüsseltechnologie gesichert werden" verlautete Stolpe und auch MAN sind zufrieden, die wie viele andere deutsche Konzerne an sogenannten Galileo Konsortien beteiligt sind, um hier in Verhandlungen mit Galileo Joint Undertaking ihre Verträge unter Dach und Fach zu bringen.

Von Wolfgang Brunn, Vorstandsvorsitzender von MAN Technologie hört man dazu die Aussage: Bei Galileo geht es um Macht und militärische Strategie.

 

Zu diesem Themenbereich stehen Interviews mit dem Journalisten Marcus Hammerschmitt, einem kritischen Beobachter der ESA - der European Space Agency - die neben der EU Kommission Galileo aufbaut, mit Rene Carrier einem Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, deren guter Name auf den ESA Seiten werbetechnisch geschickt eingesetzt wird (unter "GMES soll Flüchtlingsströme kontrollierbar machen") und Angel Landelbaso, Mitarbeiter der Galileo Einheit in der EU Generalkommission Verkehr und Transport als Soundfiles bereit.

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Audiobeiträge

Wally Geyermann sprach

mit dem Journalisten Marcus Hammerschmitt, einem kritischen Beobachter der ESA, die neben der EU-Kommission Galileo aufbaut:
Er nimmt Stellung zu Sinn bzw. vor allem Un- und Irrsinn des Systems.
Die Eingangsfrage befasste sich mit der fraglichen Notwendigkeit eines Galileo Systems neben GPS und Glonass.

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mit Angel Landelbaso, Mitarbeiter der Galileo Einheit in der EU Generalkommission Verkehr und Transport ...
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Fakten - Fakten - Fakten

Galileo besteht aus einer Konstellation von 30 Satelliten auf drei kreisförmigen Umlaufbahnen in einer Höhe von etwa 24.000 km über der Erdoberfläche. Die Satelliten sollen durch ein weltweites Netz von Bodenstationen unterstützt werden.

Das Galileo Projekt soll in drei Phasen umgesetzt werden und ab 2008 in Betrieb gehen

  1. Entwicklung und Validierung in der Umlaufbahn (2002-2005)
     
  2. Errichtung der Satelliten und der Bodenstationen (2006-2007)
     
  3. Kommerzieller Betrieb (ab 2008)
 
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