| Heute dreht sich im Magazin alles um die europäische Kulturhauptstadt.
Wie wird überhaupt eine Kulturhauptstadt ausgewählt?
Dann natürlich ein Focus auf die aktuelle Kulturhauptstadt
2003 - und das ist Graz in Österreich. Zu Graz gibt es Wissenswertes
in Interviews mit der Leiterin der Pressestelle für das Projektbüro
Graz 03, die einiges über die geplanten Veranstaltungen erzählen
wird, dem Chefredakteur der Grazer Strassenzeitung Megaphon, der
im Sommer eine Fußballweltmeisterschaft der Obdachlosenverbände
organisiert und dem bekanntesten KPÖ Stadtrat Österreichs
- Ernst Kaltenegger .
Dazu eine Vorschau auf künftige Kulturhauptstädte und
ein Bericht über die Aktionsgruppe AFKU "Fürth -
unsere Kulturhauptstadt 2010".
Wahl der europäischen Kulturhauptstädte
Melina Mercouri, die griechische Künstlerin und Kulturministerin
schlug 1985 vor, den Titel einer europäischen Kulturhauptstadt
jährlich zu vergeben. Athen wurde dann - gar nicht abwegig
- 1985 zur ersten Kulturhauptstadt ernannt.
Die Regierungen der EU-Staaten sollten anfangs gemeinsam mit dem
Ministerrat die Städte aussuchen. Diese Regelung gilt bis zur
Auswahl im Jahre 2004 - danach tritt eine Neuregelung in Kraft.
Nämlich, dass auch das EU-Parlament, der Ausschuss der Regionen
und die Kommission an der Entscheidung beteiligt werden. Bis 2004
durften und dürfen sich auch gegebenenfalls zwei Städte
den Status einer Kulturhauptstadt teilen - wie z.B. 2002 Salamanca
und Brügge, danach wird nur eine Stadt sich an dem Titel weiden
dürfen.
Dazu kommt ab 2005 ein festes Rotationsprinzip - jedes Jahr hat
nur ein EU-Land das Recht, mehrere seiner Städte vorzuschlagen.
Ein siebenköpfiges Gremium aus EU Parlament, Rat, Kommission
und Ausschuss der Regionen sichtet die Bewerbungen und erwählt
daraus die Kulturhauptstadt Europas. Die Rotation ist bis 2019 allerdings
schon festgelegt und endet mit Italien. Die Beitrittsländer
müssen sich also noch 16 Jahre gedulden, um zum Zug zu kommen
und von den Touristenströmen zu profitieren, die jedes Jahr
auf eine Kulturhauptstadt zurollen.
Finanzielle Unterstützung beziehen die Kulturhauptstädte
aus einem EU Förderprogramm. Beantragt werden dürfen allerdings
nur Projekt - und keine Investitionsgelder.
Europäische Kulturhauptstadt Graz
Graz ist die aktuelle und konkurrenzlose, da alleinige Kulturhauptstadt
2003 und viele Fördergelder wurden beantragt und ausgegeben.
Natürlich hat auch Graz selbst tief in die Tasche gegriffen,
um ein hochtrabendes und sicher auch ambitioniertes Programm aufzustellen
und ein wenig aus dem Schatten zu treten. Graz - die heimliche Liebe
Österreichs ist das nicht ganz selbstironische Synonym bis
dato gewesen.
"Bis jetzt wußten nicht einmal die Österreicher
genau, wo Graz liegt" sagte der österreichische Schriftsteller
Gruber im Vorfeld der Ernennung.
Ein paar Fakten
Graz ist mit an die 250.000 EinwohnerInnen die zweitgrößte
Stadt Österreichs. Die Infrastruktur wurde und wird stark bestimmt
von dem Fluß Mur, der Graz in zwei Hälften teilt - am
Ostufer die Postkartenidylle und Nobelviertel, am Westufer die ärmeren
Wohngegenden.
Grazer Altstadt ist Weltkulturerbe
1999 wurde die Altstadt von Graz von der Unesco zum Weltkulturerbe
ernannt. Alle kunsthistorischen Epochen von Romanik über Gotik,
Renaissance, Barock, Klassizismus und Historismus bis zum Jugendstil
sind in der Altstadt versammelt. Oftmals überlagern sich die
Stile in einem einzigen Gebäude. Im Jahre 1619 büßte
die Stadt ihren Status als innerösterreichische Residenz der
Habsburger ein und musste sich mit dem Titel einer Landeshauptstadt,
heute der Steiermark, begnügen.
Die politische Degradierung von Graz wirkte bei den Bauten konservierend:
Man war nicht mehr so wohlhabend und musste sich daher in architektonischem
Flickwerk üben. 1809 ließ Napoleon die Festung auf dem
Schlossberg schleifen - verschont hat er dabei einen großen
Uhrturm aus der Zeit der Renaissance, das Wahrzeichen von Graz.
Neubauten
Baulich hat sich Graz mit und seit der Ernennung kräftig verändert.
Stararchitekten wie der New Yorker Acconci oder die Engländer
Cook und Fournier wurden angeheuert, um Prestigebauten zu verwirklichen.
Dazu gehören v.a. das sogenannte Friendly Alien, das künftige
Grazer Kunsthaus, das im September fertiggestellt werden soll. 20
Jahre zogen sich die Diskussionen in Graz um dieses Projekt - von
den Einheimischen wird der teure Bau respektlos als Blaue Blase
tituliert. In der Mur ist eine Insel aus Stahl und Acryl entstanden
mit Bühne , Cafe und Kinderspielplatz und besagter Uhrturm
hat einen stählernen Zwillingsbau erhalten.
Spezialitäten
Und - ach ja, die Grazer Spezialitäten sind das Backhenderl,
Wurzelfleisch oder das Schlachtgericht Blutomerl.
Bürgerwehr in Graz
Grazer Bürgermeister ist seit knapp 20 Jahren der SPÖler
Alfred Stingl. Die FPÖ hat im Stadtrat leider auch ihre Finger
im Spiel und nicht nur da. 2002 installierten sie eine Bürgerwehr
für Schutz und Sicherheit der Grazer Bürger. Haupt-Initiator
dabei: der FPÖ Gemeinderat Helge Endres, der auch in einem
Verein von Veteranen der ehemaligen Waffen-SS organisiert ist. Als
erstes zu bewachendes Schutzobjekt wählte sich diese Bürgerwehr
das Grazer GIBS Gymnasium aus - die SchülerInnen machten der
Aktion aber ein schnelles Ende. Darauffolgende Aktionen im Stadtpark
wurden zwar ebenfalls von der Grazer Bevölkerung gestoppt,
jedoch existiert diese Bürgerwehr bis heute.
Phänomen Ernst Kaltenegger, KPÖ-Stadtradt in Graz
Stadtrat Graz, das heißt für viele Phänomen Ernst
Kaltenegger, Mitglied der KPÖ und seit 1998 Stadtrat in Graz.
Während die Kommunistische Partei Österreichs in vielen
Bezirken, auch in der Hauptstadt eine schwere Schlappe hinnehmen
musste, erreichte Kaltenegger in Graz 21 % der Stimmen. Kalteneggers
Motto lautet: Helfen statt Reden und so spendet er fast zwei Drittel
seines Nettogehaltes für soziale Projekte.
V.a. Alleinerziehende, MindestpensionistInnen und kinderreiche
Familien profitieren von seinen Spenden. Alte Wohnungen werden saniert,
Rechtshilfen und Unterstützung für den Lebensbedarf in
Notlagen gegeben. Jeweils zum Jahresende legt Kaltenegger die Verwendung
seines Politikerbezuges offen.
Wie waren die Reaktionen Kalteneggers bei der Benennung von Graz
zur Kulturhauptstadt.
Interview
Kultur in Graz
In Sachen Kultur machte Graz mit den Musikfestspielen styriarte,
dem Avantgarde-Festival Steirischer Herbst und dem jährlichen
österreichischen Filmfest Diagonale von sich reden.
Der Veranstaltungsreigen für 2003 ist ins Unermessliche angestiegen.
Herr Kaltenegger meinte zwar, dass der Aspekt der Arbeiterschaft
gänzlich fehlen würde, aber schauen wir mal, was in Graz
sonst so geboten ist. Mehr dazu weiß Frau Bader, Leiterin
der Pressestelle des Projektbüros Graz 2003 ...
Interview
Fußballweltmeisterschaft der Obdachlosenverbände 2003
Eine Veranstaltung im Rahmen Graz 03 ist eine Fußballweltmeisterschaft
der Obdachlosenverbände, die vom 6-13. Juli in Graz ausgetragen
werden soll. Dazu ein Organisator, Herrmann Schmied - Redakteur
der Grazer Strassenzeitung Megaphon. Er erzählt mehr darüber,
wie die Idee zu dieser Pionierveranstaltung entsponnen wurde, warum
die österreichische Mannschaft tollerweise aus 8 Nigerianern
besteht und welche der 20 international beteiligten Mannschaften
als heimliche Favoriten gelten.
Interview
Zukünftige europäische Kulturhauptstädte
Europäische Kulturhauptstadt 2004 werden die nordfranzösische
Stadt Lille und das italienische Genua. Für 2005 wurde das
nordirische Cork als erste Kulturhauptstadt nach dem neuen Verfahren
benannt.
AKFU Aktionsbündnis Fürth - unsere Kulturhauptstadt 2010
2010 ist Deutschland am Zuge, Städte vorzuschlagen. Im Antragsreigen
hat sich auch Fürth eingefunden. Fürth - unsere Kulturhauptstadt
2010 - abgekürzt AFKU - heißt das Aktionsbündnis
und Herr Schwarz erzählte uns mehr dazu.
Interview
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