Schwerpunkt - 17.09.2003
Fakten zur Geschichte Estlands
Estland als Spielball großer Nationen

Die zur finnischen Völkerfamilie gehörenden Esten werden vor etwa 10.000 Jahren als erstes Volk in Europa sesshaft. 1346 wird das Gebiet vom Deutschen Orden erobert, nach dessen Zusammenbruch im 16. Jahrhundert ein Machtvakuum entsteht. Zuerst von Polen annektiert, ist Estland ab 1629 in schwedischer Hand bis als Ergebnis des Nordischen Krieges (1700-1721) Estland in das russische Reich eingegliedert wird. 1918 wird die unabhängige Republik Estland proklamiert.1940 annektiert die Sowjetunion das Land, und integriert es als Estnische Sozialistische Sowjetrepublik. 1988 entsteht im Zuge des Glasnost eine Volksbewegung, die eine weitgehende Autonomie des Landes fordert. Am 16. November 1988 proklamiert Estland seine Souveränität, die Unabhängigkeit wird am 20. August 1991 ausgerufen und wenig später von der russischen Regierung und der Sowjetunion anerkannt.

Estland ist das nördlichste Land der drei baltischen Staaten und eines der kleinsten Länder, die im kommenden Frühjahr der EU beitreten werden. Als die Sowjet-Union zusammenbrach, war die Aufbruchstimmung und der Wille, etwas Neues zu schaffen, in Estland noch größer als in anderen ehemaligen Sowjet-Republiken. Estland sollte High-Tech- und Computerland werden. Vorbild dabei war der Technologie-Boom beim nordischen Nachbarn Finnland. Die 1,4 Millionen Menschen in Estland haben in den dreizehn Jahren ihrer Unabhängigkeit durch radikale marktwirtschaftliche Reformen rasante Veränderungen erlebt und wohl auch wirtschaftliche Fortschritte gemacht. Wobei das wichtigste Kapital ihres Landes - so sagen die EstInnen selbst - die Bildung und der Ideenreichtum seiner Bevölkerung ist.

Doch die sozialen Spannungen und Probleme nahmen in dieser Zeit ebenfalls zu und trotz des "Ja" zur EU beim kürzlich stattgefundenem Referendum sind längst nicht alle EstInnen begeistert von dem anstehenden EU Beitritt.

Ein Sprichwort in Estland betont, dass sie nicht aus einer Sowjetunion ausgetreten sind, um in eine andere Union hineinzutreten. Tja - der Slogan hat sich nicht bewahrheitet.

Viele Menschen aus Russland, der Ukraine und Finnland leben in Estland. Estland ist eine Parlamentarische Demokratie. Premierminister seit 2002 ist Siim Kallas von der liberalen Reformpartei Eesti Reformierakonna, Staatsoberhaupt ist Arnold Rüütel.

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