Magazin - 24.09.2003
Genomprojekt in Estland
Zusammenhänge zwischen Genen, Umwelt, Lebensstil und Krankheiten?

1998 wurde in Estland einer der größten Gen-Datenbanken der Welt auf den Weg gebracht. Blutproben und Gesundheitsdaten einer Million Esten und EstInnen sollen in einer Bio- und Gen-Datenbank gespeichert werden. Hauptinitiator dieses Projektes ist Andres Metspalu, Biotechnologie-Professor an der Universität Tartu.

Eine Stiftung wurde gegründet, Geld gesammelt, die Werbetrommel gerührt, und das Parlament verabschiedete ein Genomgesetz. Dann, im Oktober 2002 startete ein Pilot-Projekt in drei estnischen Landkreisen:
"Sicher haben sie nichts dagegen und etwas Zeit übrig, um zum Wohle Estlands und des Fortschritts eine Blutprobe abzugeben und ein paar Fragen zu beantworten" hieß es in den Arztpraxen.
Also Ärmel hochkrempeln, Blut abzapfen und einen Fragebogen ausfüllen:
Darin Fragen zur Gesundheit, über Vorfahren und Familienmitglieder, über Umweltfaktoren und Lebensweise, über Ernährung, Gewohnheiten und Arbeitsbedingungen.

Die Datenbank soll Zusammenhänge zwischen Genen, Umwelt, Lebensstil und Krankheiten aufdecken, indem sie Gen- und Gesundheitsdaten abgleicht. Sowohl Vorteile für die menschliche Gesundheit durch vorbeugende Therapien und patientenspezifische Medikation als auch der kommerzielle Nutzen werden von den Initiatoren begeistert angeführt.

Der estnische Staat selbst hat die Federführung des 200 Millionen Projekts übernommen und die Estnische Genom-Stiftung gegründet, die die Sammlung und Verteilung der Daten übernehmen soll.

Die Teilnahme am Genomprojekt ist freiwillig. Ein eigenes Gesetz zur Genomforschung soll dabei die Persönlichkeitsrechte der TeilnehmerInnen schützen. In Fragen der Persönlichkeitsrechte ging Estland etwas verantwortlicher um als Länder mit ähnlichen Großprojekten wie z.B. Island oder England.

Dennoch sind viele politische und rechtliche Probleme offen:

Leider hatte die Redakteurin keinen Erfolg damit, Prof. Metspalu ans Telephon zu bekommen oder eine Art estnischen Ethikrat ausfindig zu machen.

Wally Geyermann unterhielt sich daher mit Erika Feyerabend von Bioskop, dem Forum zur Beobachtung der Biowissenschaften und ihrer Technologien e.V.

Ihre Eingagsfrage:
Wem gehören laut der bis dato juristischen Grauzone die Patientenproben und Gene, die in solchen Biotheken lagern und die Informationen, die aus der Erforschung der Proben gewonnen werden: dem einzelnen Spender, der Biothek, den Forschern oder der Allgemeinheit?

Startseite
Themenverzeichnis
Länderübersicht
Alle Sendungen
Nachrichtenarchiv
Links
 

Audiobeiträge

Wally Geyermann sprach mit Erika Feyerabend von Bioskop

mp3-stream real-stream mp3-download