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Die Kunsthalle Fridericianum wird für ein Jahr zu einem Zentrum
interner und externer Diskussionen über den Begriff "Balkan".
Mit der aktuell laufenden Ausstellung "In den Schluchten des
Balkan - eine Reportage" stellt die Kunsthalle Fridericianum
88 Künstlerinnen und Künstler aus zwölf Länder
und Regionen , d.h. aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien,
Griechenland, Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Rumänien,
Serbien, Slowenien, Türkei mit ihren Arbeiten vor. Die Ausstellung
wird zudem in ein engagiertes Rahmenprogramm gebettet, dass die
sozio-politische Situation der Länder im Südosten Europas
mittels Vorträgen, Filmvorführungen und Themenführungen
reflektieren soll.
In seiner über die Jahrhunderte ereignisreichen Geschichte,
die sich an der Schnittstelle zwischen Orient und Okzident, zwischen
Christentum und Islam, im Wechsel von Monarchien, Diktaturen, kommunistischen
Gesellschaftsformen oder Demokratien bewegte, ist der Balkan für
uns noch immer ein unbekanntes Territorium, ein blinder Fleck. Als
solcher bietet er sich als Projektionsfläche für westeuropäische
Vorstellungen an.
Die Definition des Begriffs "Balkan" ist immer noch diffus.
Geographisch erstreckt sich die Balkanhalbinsel zwischen Schwarzem
Meer und Mittelmeer und bezieht sich namentlich auf die bulgarische
Gebirgsformation. Doch die topographische Eingrenzung transportiert
nicht die Bedeutung des Balkan: Sie wird überlagert von im
kulturellen Gedächtnis abgelagerten Vorstellungen, Vorurteilen
und Ängsten. Ängste auch ganz aktueller Natur: Als multiethnische
Gesellschaften dienten die Länder Südosteuropas in den
letzten Jahren nicht zuletzt als Paradigma für Globalisierungsprognosen
und schürten so die Vorstellung vom sogenannten "Kampf
der Kulturen". "Balkan" ist längst zu einer
Metapher geworden. Balkan, so der slowenische Philosoph Slavoj Zizek,
Balkan - das sind immer nur die Anderen, so lesen wir im Ausstellungskatalog
.
Im Gebäude Museum Fridericianum stehen Objekte, Malerei, Installation,
Fotografie und Videokunst im Mittelpunkt, im Außenraum sind
Aktionen und Performances angesetzt, sowie die Ausstellung "boundless
borders", die auf Initiative des Goethe-Institutes Belgrad
entstand und in Form von Großplakaten weitere KünstlerInnen
der Region integriert.
Abschließend sollen die einzelnen Stränge in einem Symposion
vom 24. - 26. Oktober mit dem Titel. Die Neuerfindung des Balkans.
Geopolitik, Kunst und Kultur in Südosteuropa gebündelt
werden.
Kuratiert wird die Ausstellung von René Block, der sich auf
die Reise durch den Balkan begeben hatte, um vor Ort zu recherchieren
und Kontakte mit KünstlerInnen und KuratorInnen innerhalb der
einzelnen Länder zu vertiefen.
Wally Geyermann fragte René Block wie sich die Idee weg
von der üblichen Einmonatsausstellung hin zu einem Einjahresprojekt
entwickelt hat.
Die Ausstellung In den Schluchten des Balkan ist noch bis zum 23.
November zu sehen. Dazu läuft das Symposium
DIE ERFINDUNG DES BALKANS. GEOPOLITIK, KUNST UND KULTUR IN SÜDOSTEUROPA
vom 24. - 26. Oktober
Ab November 2003 bis Mai 2004 gibt es Ausstellungen, Publikationen,
Diskussionsforen organisiert von KooperationspartnerInnen in Belgrad,
Bukarest, Cetinje, Istanbul, Ljubljana, Pritina, Sarajevo,
Skopje, Sofia, Tirana und Zagreb unter dem Titel "In den Städten
des Balkan" und abschließend die Retrospektive von Mangelos
und das Kassel Projekt von Marjetica Potrc von Juni bis September
2004.
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