Magazin - 01.10.2003
Die Balkan Trilogie in Kassel
Balkan sind immer nur die Anderen

Die Kunsthalle Fridericianum wird für ein Jahr zu einem Zentrum interner und externer Diskussionen über den Begriff "Balkan". Mit der aktuell laufenden Ausstellung "In den Schluchten des Balkan - eine Reportage" stellt die Kunsthalle Fridericianum 88 Künstlerinnen und Künstler aus zwölf Länder und Regionen , d.h. aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Griechenland, Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Rumänien, Serbien, Slowenien, Türkei mit ihren Arbeiten vor. Die Ausstellung wird zudem in ein engagiertes Rahmenprogramm gebettet, dass die sozio-politische Situation der Länder im Südosten Europas mittels Vorträgen, Filmvorführungen und Themenführungen reflektieren soll.

In seiner über die Jahrhunderte ereignisreichen Geschichte, die sich an der Schnittstelle zwischen Orient und Okzident, zwischen Christentum und Islam, im Wechsel von Monarchien, Diktaturen, kommunistischen Gesellschaftsformen oder Demokratien bewegte, ist der Balkan für uns noch immer ein unbekanntes Territorium, ein blinder Fleck. Als solcher bietet er sich als Projektionsfläche für westeuropäische Vorstellungen an.

Die Definition des Begriffs "Balkan" ist immer noch diffus. Geographisch erstreckt sich die Balkanhalbinsel zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer und bezieht sich namentlich auf die bulgarische Gebirgsformation. Doch die topographische Eingrenzung transportiert nicht die Bedeutung des Balkan: Sie wird überlagert von im kulturellen Gedächtnis abgelagerten Vorstellungen, Vorurteilen und Ängsten. Ängste auch ganz aktueller Natur: Als multiethnische Gesellschaften dienten die Länder Südosteuropas in den letzten Jahren nicht zuletzt als Paradigma für Globalisierungsprognosen und schürten so die Vorstellung vom sogenannten "Kampf der Kulturen". "Balkan" ist längst zu einer Metapher geworden. Balkan, so der slowenische Philosoph Slavoj Zizek, Balkan - das sind immer nur die Anderen, so lesen wir im Ausstellungskatalog .

Im Gebäude Museum Fridericianum stehen Objekte, Malerei, Installation, Fotografie und Videokunst im Mittelpunkt, im Außenraum sind Aktionen und Performances angesetzt, sowie die Ausstellung "boundless borders", die auf Initiative des Goethe-Institutes Belgrad entstand und in Form von Großplakaten weitere KünstlerInnen der Region integriert.

Abschließend sollen die einzelnen Stränge in einem Symposion vom 24. - 26. Oktober mit dem Titel. Die Neuerfindung des Balkans. Geopolitik, Kunst und Kultur in Südosteuropa gebündelt werden.


Kuratiert wird die Ausstellung von René Block, der sich auf die Reise durch den Balkan begeben hatte, um vor Ort zu recherchieren und Kontakte mit KünstlerInnen und KuratorInnen innerhalb der einzelnen Länder zu vertiefen.

Wally Geyermann fragte René Block wie sich die Idee weg von der üblichen Einmonatsausstellung hin zu einem Einjahresprojekt entwickelt hat.

Die Ausstellung In den Schluchten des Balkan ist noch bis zum 23. November zu sehen. Dazu läuft das Symposium
DIE ERFINDUNG DES BALKANS. GEOPOLITIK, KUNST UND KULTUR IN SÜDOSTEUROPA
vom 24. - 26. Oktober

Ab November 2003 bis Mai 2004 gibt es Ausstellungen, Publikationen, Diskussionsforen organisiert von KooperationspartnerInnen in Belgrad, Bukarest, Cetinje, Istanbul, Ljubljana, Priština, Sarajevo, Skopje, Sofia, Tirana und Zagreb unter dem Titel "In den Städten des Balkan" und abschließend die Retrospektive von Mangelos und das Kassel Projekt von Marjetica Potrc von Juni bis September 2004.

Startseite
Themenverzeichnis
Länderübersicht
Alle Sendungen
Nachrichtenarchiv
Links
 

Audiobeiträge

Wally Geyermann sprach mit René Block, dem Kurator der Ausstellung

mp3-stream real-stream mp3-download
 
Links

www.fridericianum-kassel.de