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Fährt man durch Slowenien und lauscht den Radioklängen
oder schaut sich in den Plattenläden um, gewahrt man die Dominanz
von westlichem Pop und Rock, nach der sich aktuelle slowenische
Bands ebenfalls stark ausrichten.
Slowenische Folklore
Die Begeisterung für slowenische Folklore findet sich zumeist
nur noch bei der älteren Generation. Die einzig altersübergreifend
erfolgreiche Folk Formation ist das Trio Terra Folk, das sich jedoch
einer eklektischen Mischung aus Klezmer, Irish Folk und Balkan Sound
verschrieben hat. Sie waren in den letzten Jahren sogar in Großbritannien
sehr erfolgreich und wurden von der BBC 2003 zum besten Live Act
gekürt.
Slowenische Geschichte im alternativen Musiksektor
Dennoch hat Slowenien eine lange und eigene Geschichte im alternativen
Musiksektor. Große Katalysator-Funktion hatte das "Metelkova",
eine seit 1993 leerstehende Baracke der Jugoslawischen Armee in
Ljubljana. Zig Bands aus dem Underground Hard Core, Rap oder Techno
Feld hatten hier Proberäume und die Möglichkeit, zu experimentieren
und sich zu vernetzen. Und in Ljubljana existiert seit 1968 Radio
Student, der älteste freie Sender Europas - Forum und Beschleuniger
für Klänge jenseits des Mainstream.
Elektronischer Sound
Die twenty something Generation Sloweniens ist vor allem auf elektronischen
Sound fixiert, einem Trend, der sich aber ebenso in Zagreb, Belgrad,
Sarajevo und Skopje ausmachen lässt. Wenn es schon in den 80er
Jahren eine lebhafte elektronische Szene in Slowenien gab, so wuchs
die Euphorie zum Experimentieren mit Sounds und Equipment erst richtig
Mitte der 90er. Die Rave Gemeinde ist recht ansehnlich und veranstaltet
im Sommer große Techno-Parties an der Küste - der Star
an den Plattentellern dabei ist DJ Umek, der wohl meist gebuchteste
DJ Sloweniens.
Das Label Tehnika, gegründet Ende 2000 ist eine wichtige Plattform
für den elektronischen Sektor. Bei Tehnika vertreten sind der
Minimal-Techno-Act Temponauta, Random Logic oder die technoiden
Octex.
Die HipHop Gemeinde
Auch die HipHop Gemeinde wächst stetig und veranstaltet Festivals,
auf denen auch bekannte Acts aus Bosnien oder Kroatien eingeladen
werden. An die 10 umtriebigen HipHop Performer finden sich in Slowenien,
der Bekannteste von ihnen heißt Klemen Klemen.
Labels und Verkäufe
Das staatliche Label RTV Slovenia und die zwei großen Indie
Labels Nika und Dallas Records haben den slowenischen Markt fest
in der Hand.
Die Verkaufszahlen in der slowenischen Musikindustrie fielen allerdings
in den vergangenen 2 Jahren drastisch. Einige nörgeln, die
Veröffentlichungsmasse wäre überzogen für ein
Land mit nur 2 Millionen Einwohnern, andere wieder kritisieren den
zunehmenden Pragmatismus und die abnehmende Experimentierfreude
der Labels. Die Produktionswege verdichten sich zu dem Trend, zu
viel Output mit zu wenig Variation und Innovation aufzuweisen.
Vlado Kreslin
Absolute Verkaufsgaranten in der Misere sind einmal Vlado Kreslin,
ein 50jähriger FolkRocker, der verstärkt mit Gypsy Klängen
arbeitet.
Peter Lovsin
Dann Peter Lovsin, der Iggy Pop Sloweniens und ehemalige Kopf der
legendären slowenischen Punkband PANKTRI und Zoran Predin,
ehemals Mitglied der New Wave Band Lacni Franz. Er ist eine Art
punkiger Jacques Brel und seine letzte CD "On the wings of
the first kiss" von 2003 ist auch in Deutschland oder Frankreich
in den Läden zu finden.
Siddharta
Und natürlich Siddharta, die Megastars Sloweniens. Sie verquicken
martialische Klänge mit Arrangements für Symphony Orchester
und elektronischen Spielereien. Siddharta sind Garant für ausverkaufte
Hallen mit Kapazitäten wie dem Stadion in Ljubljana. Dort erschienen
bei ihrem letzten Auftritt 15.000 Fans und feierten die "slowenischen
Rammstein" frenetisch.
Laibach + NSK
Der größte musikalische Export Act Sloweniens ist die
Band Laibach, die aktuell eine erfolgreiche Europatournee absolvierte.
Laibach - benannt nach dem Namen Ljubljanas von vor 1919 - formierten
sich innerhalb des 1984 gegründeten Künstlerkollektivs
NSK - Neue Slowenische Kunst.
Die NSK wollte einen utopischen Staat schaffen, der sich allerdings
nicht in herkömmlichen geographischen Grenzen bewegt, sondern
als Konstrukt begriffen werden sollte. Sie schuf imaginäre
Landkarten, berief sich auf absurde historische Referenzen und vereinte
rappzapp verschiedenste Volksstämme. Für ihren utopischen
Staat existierten auch Pässe - mit deren Hilfe sogar einigen
Menschen die Flucht aus dem damals belagerten Sarajevo gelang.
Die NSK Sektoren waren breit gefächert. Es gab und gibt Abteilungen
für Architektur, Design, Malerei, Theater, Film, Philosophie
und eben Musik.
Laibach sind seit ihren ersten Veröffentlichungen heftigst
umstritten. Im ehemaligen Jugoslawien hatten sie Auftrittsverbot,
im Ausland wurden und werden sie wegen Ihrem Gebaren und Symbolismus
häufig misstrauisch beäugt.
Opus Die, 1987 veröffentlicht, war ein Album, welches maßgeblich
den Ruf Laibachs begründete. Aus dem Booklet springen dem Betrachter
scheinbar eindeutige Fotos entgegen: Vier Männer in einer an
die Mode der 30er Jahre erinnernden Kleidung, dazu Grafiken, die
stilistisch an nationalsozialistische und auch kommunistische Propagandaplakate
erinnern.
Und darauf Stücke wie z.B. "Geburt einer Nation",
der ins Deutsche übertragene Queen-Song "One Vision",
was zunächst keinerlei Nähe zur Nazi-Ideologie vermuten
ließe, von Laibach aber entsprechend aufgebaut wird.
Die Band selbst äußerte sich nie explizit zu den Vorwürfen
der Nazitümelei. Die Gruppe lehnt eindeutige Aussagen ab und
will jede Verwendung von politischen oder ideologischen Fragmenten
als ein rein künstlerisches Spiel verstanden wissen.
Viele halten Laibach für Meister der subversiven Provokation.
Der slowenische Philosoph und Psychoanalytiker Slavoj Zizek verteidigte
das Gebahren Laibachs als künstlerische Strategie. Es sei,
so Zizek, das Anliegen von Laibach, das versteckte Umgekehrte der
Ideologie an den Tag zu bringen. Zizek geht soweit zu behaupten,
NSK und auch Laibach hätten eine immens wichtige Rolle im demokratischen
Entwicklungsprozess Sloweniens gespielt.
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