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Das Zentrum für Europa- und Nordamerika-Studien ZENS hat einen
Sammelband mit dem Titel "EU-Beitritt. Verheißung
oder Bedrohung?" herausgebracht.
Ein Interview mit Stefan Lessenich, der einen Beitrag zum schmerzhaften
Transformationsprozess der Ostbeitrittsländer in diesem Sammelband
verfasst hat, konntet Ihr beim Europakanal bereits hören.
Zu einem Beitrag von Holger Münch hört Ihr heute mehr.
Holger Münch untersuchte die Berichterstattung der deutschen
Printmedien zur Erweiterung der EU, die in Wort und Bild verstärkt
die sogenannte "Rückständigkeit" der
neuen Länder und die Problematiken dort beschwören.
Der Bau eines "gemeinsamen EU Hauses" war immer
Sache der politischen Eliten, der Unternehmer und Banker. Als Rechts-
und Wirtschaftsraum ist die EU wohl ein Erfolgsmodell, genauso wie
als Festung Europaund aufstrebende Militärmacht. Mit der Popularität
innerhalb der deutschen Bevölkerung ist es hingegen nicht allzu
weit her, vor allem nicht wenn es um die Akzeptanz der neuen EU-Länder
geht. Die tschechische Republik und Ungarn werden zwar wegen diverser
Urlaubsfahrten Prag - aha - und Budapest - oh - und Gourmeterlebnisse
halb wohlwollend, halb gnädig akzeptiert. Slowenien ist durch
seinen Nettozahlerstatus aus der Krittelzone heraus. Malta ist schön
und sonnig und hat ja so nette, distinguierte Einwohner wegen der
britischen Kolonialzeit. Zypern ist zu weit weg und kein Mensch
hat Ahnung über Zypern, also wird auch nicht über Zypern
geschimpft. Aber wehe es kommt die Rede auf die Länder Estland,
Lettland, Litauen, Polen und die Slowakei. Ganz abgesehen von Ländern
wie Rumänien, Bulgarien, Serbien oder Montenegro, die sich
brav an der EU Warteschlange angestellt haben.
Drogen, Autodiebe, Ostbanden tönt es dann. Chaos und ökonomische
Schwäche werden assoziiert und graue postsozialistische Alltagstristesse
heraufbeschworen.
Diese populistischen Wertigkeiten sind aber nicht nur an den Stammtischen
gang und gäbe. Auch die deutschen Printmedien bauen ein vorurteilsbehaftetes
Szenario auf, wie die Untersuchung von Holger Münch zeigt.
Die positive Darstellung der Länder im Osten bleibt laut Münch,
oftmals PublizistInnen aus den Beitrittsstaaten überlassen.
Auffallend sei, dass man in den deutschen Printmedien damit beschäftigt
ist, "gegen Vorurteile anzuargumentieren, um Vorbehalte
zu neutralisieren. Für eine positive Vision darüber hinaus
fehlt offenbar die Energie."
Die Beiträge in dem ZENS Sammelband sind vielfältig.
So behandelt die polnische Autorin Joanna Regulska den großen
Einfluss, den die katholische Seite Polens auf die Verhandlungsführung
bezüglich der Frauenrechte hatte. Die Kirche habe ihre Zustimmung
zur EU-Integration von der Haltung der Regierung zur Abtreibungsfrage
abhängig gemacht. Die EU setze in ihrer Gleichstellungspolitik
doppelte Standards, lautet der Vorwurf der Autorin.
Ein Beitrag von Jürgen Dieringer weist darauf hin, dass die
Regionalpolitik der EU zentralistisch organisierten Staaten die
Übernahme einer föderalen Struktur aufzwinge. Politisch-administrative
Traditionen des Landes spielten keine Rolle, was er am Beispiel
Ungarns ausführt.
Und nochmals: Der lesenswerte Sammelband trägt den Titel "EU-Beitritt.
Verheißung oder Bedrohung?" ist knapp 300 Seiten
stark, Herausgeber ist das ZENS und erschienen ist der Band bei
Leske & Budrich.
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