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Das 2. Europäische Sozialforum markierte eine Wende innerhalb
der Bewegung: Wer die Welt der etablierten, am "Kapital"
orientierten Polit-Strukturen verändern will, muss sich ihr
nähern so meinen viele, doch die Gegenseite warnt davor, den
eigenen Charakter zu verlieren.
Die Macht der Altermondialisten, wie sich die Bewegung in Frankreich
nennt ist anerkannt, Die Grundforderung von Attac nach einer Kapitalbesteuerung,
der Tobinsteuer, längst von der etablierten Politik übernommen.
Kurz vor der Eröffnung des Forums hat sie noch Frankreichs
Staatspräsident Jaques Chirac eingeklagt. Die etablierten Parteien
in Frankreich buhlen mehr oder minder geschickt um die Gunst der
Bewegung. Die vormals in Frankreich regierenden Linksparteien -
Sozialdemokraten, Sozialisten, Grüne und KP - waren bemüht
eine möglichst starke Präsenz auf dem Sozialforum zu zeigen.
Auch Bernard Cassen war allgegenwärtig. Zwar hat er den Chefposten
der Attac-Organisation im vergangenen Jahr aufgegeben. Doch ist
er immer noch eine Art Klammer für die äußerst heterogene
und vielschichtige Gruppe der GlobalisierungskritikerInnen, zu der
neben Kommunisten und Sozialisten auch Friedensbewegte, Umweltorganisationen,
kirchliche Gruppen, Gewerkschaften und Konservative zählen
- Menschen, die sich einig sind, in ihrer Ablehnung gegen die "Vormacht
des Liberalismus" und gegen die "Herrschaft des Kapitalismus",
nicht aber in den Zielen.
Cassen lehnt eine Festlegung der Bewegung auf die Linke ab, will
"die Türen der Bewegung für alle Gruppen weit offen
halten" und ihre soziale Basis erweitern:
"Wir müssen unsere Basis verbreitern. Trotz der Erfolge,
die wir jetzt schon haben, kommen wir nicht umhin, uns zu fragen,
ob die bisherigen Formen des Kampfes die besten sind, und wie es
weitergehen soll mit unseren Bemühungen um die Einflussnahme
auf die öffentliche Meinung. Sind die bestehenden Parteien
dazu noch in der Lage oder sollte man nicht besser eine oder mehrere
neue politische Formationen bilden? Wir sind überzeugt, dass
eine andere Welt möglich ist, aber wir wissen noch nicht, wie
wir dorthin gelangen können."
Eigentlich sollte und wollte Wally Geyermann Bernard Cassen interviewen,
aber er ist zu beschäftigt. Daher ein Statement dazu von Ian
Warthin, Mitarbeiter von Bernard Cassen und auch Mitglied im Organisationsteam
für das Europäische Sozialforum.
Die Bewegung steht vor der Frage, ob sie von einer Protestbewegung
zu einer politischen werden soll. Bernard Pinaud, einer der Organisatoren
des Sozialforums, formulierte: "Wir wollen lieber eine starke
Bewegung ohne politische Erfolge als politische Erfolge ohne starke
Bewegung". Das Risiko ist zu groß schnell zu versickern
in etablierten Strukturen, die dann in wohlwollenden Beilagen der
Wirtschaftspresse von Financial Times bis Les Echos analysiert werden.
Welche Hegemonie in der politischen Richtung sich nun herausschält
bleibt mit Spannung abzuwarten.
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