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Am Anfang stand der Gedanke, dass es einen neuen weltweiten Zyklus
gesellschaftlicher Mobilisierungen und sozialer Kämpfe sowie
eine Neuauflage der Kritik an der Funktionsweise weltwirtschaftlicher
Strukturen gebe. Vielfach war damals von einem neuen Internationalismus
die Rede. Vom alten parteikommunistischer Prägung unterscheide
diesen, dass er über keinerlei internationales Zentrum verfüge.
Auch beziehe er sich nicht mehr auf Nationalbewegungen und die Neugründung
von Staaten, wie der Antiimperialismus während der Ära
der Entkolonialisierung in Afrika und Asien. Sein Subjekt seien
vielmehr gesellschaftliche Basisbewegungen, Gewerkschaften, aber
auch NGOs - und Netzwerke alternativer WirtschaftswissenschaftlerInnen.
Die spektakuläre Blockade eines Gipfeltreffens der Welthandelsorganisation
WTO in Seattle im Dezember 1999 bildete einen ersten Höhepunkt
dieser neuen Bewegung, der schnell der gemeinsame Meltingtopf mit
dem Namen GlobalisierungskritikerInnen übergestülpt wurde.
Doch um zu vermeiden, dass man sich stets an der Agenda der Gegenseite
abarbeitet und wie ein Tross den Versammlungen der Mächtigen
dieser Welt hinterher zieht, sollte die "Bewegung der Bewegungen"
nunmehr ihren eigenen Termin- und Themenkalender vorgeben.
Eingeweiht wurde diese Idee mit dem ersten Weltsozialforum in Porto
Alegre, das ungefähr parallel zum World Economic Forum im schweizerischen
Davos stattfand. Diesem folgte geradezu organisch ein Europäisches
Sozialforum, das zum ersten Mal 2002 in Florenz und dieses Jahr
in Paris abgehalten wurde
Aus dem Slogan "Eine andere Welt ist möglich"
wurde "Ein anderes Europa ist möglich!" formuliert.
Rund 100.000 BesucherInnen waren angereist, um in Paris an den
Debatten teilzunehmen und für ihre Vorstellungen von einer
gerechteren Welt zu demonstrieren.
Insgesamt fanden von Donnerstag bis Samstagmittag 55 Plenarsitzungen
statt, sowie über 250 Seminare - die beim ESF angemeldet und
mit ÜbersetzerInnen ausgestattet waren - und noch mal so viele
Workshops, die von einzelnen Gruppen in Eigenverantwortung ausgerichtet
wurden.
Krieg, Neoliberalismus, Vermarktung und marchandisation ("Zur-Ware-Machen")
von immer mehr gesellschaftlichen Bereichen gehörten zu den
wichtigsten Themen gehören.
Über den Kampf gegen Rechtsextremismus und Rassismus konnte
ebenso diskutiert werden wie über soziale Bewegungen im Maghreb
oder die Rolle europäischer Wirtschaftsinteressen und Waffenexporte
in Lateinamerika. Feministische Themen waren in einer europaweiten
Versammlung zu den Rechten der Frauen ebenso vertreten, wie ein
großer Pool für die Ökologie.
Wesentliches Thema zahlreicher Veranstaltungen war die "Europäische
Verfassung". Das vom ehemaligen französischen Präsidenten
François Giscard dEstaing entwickelte Papier lehnte das Forum
einmütig ab, da es den Wirtschaftsliberalismus für die
EU langfristig festschreibe. Die Angriffe auf die Renten- und Gesundheitsversorgung
in allen Ländern wurden heftig kritisiert und alternative Wirtschaftsmodelle
für Europa und für die Europäische Zentralbank vorgelegt.
Ihr hört heute Interviews zum ESF von einer Nürnbergerin,
die dabei war, einem Mitglied des Organisationskommitees, einem
Mitarbeiter der Gruppe 3. Welt Saar und ein Bericht unserer Redakteurin
Maike Dimar zu den Repressalien gegen Demonstranten bei EU-Gipfeln.
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