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Geschichte
Litauen wird 1009 zum ersten Mal erwähnt. In der Schlacht
von Tannenberg (1410) erleidet der Deutsche Ritterorden, der die
Herrschaft anstrebt, durch das gemeinsame litauisch-polnische Heer
eine vernichtende Niederlage. Bei den drei Polnischen Teilungen
(1772, 1793 und 1795) zwischen Österreich, Preußen und
Russland fällt das litauische Gebiet nach und nach an Russland.
1905 lässt die russische Regierung einen litauischen Landtag
zu. Auch in das russische Parlament (Duma) dürfen Vertreter
entsandt werden. Am 16. Februar 1918 erklärt Litauen seine
Unabhängigkeit, die 1920 von Sowjetrussland anerkannt wird.
Als Folge des Hitler-Stalin-Paktes besetzen sowjetische Truppen
1940 das Land: Litauen wird Litauische Sozialistische Sowjetrepublik.
In den späten 80er Jahren entsteht die "Bewegung für
die Perestrojka" (Sajudis), die für Demokratie und
nationale Autonomie eintritt. Seit dem 11.März 1990 ist Litauen
wieder unabhängig.
Knapp 3,5 Millionen EinwohnerInnen zählt Litauen. Darunter
natürlich ein Großteil an 83,5% Litauern, aber auch PolenInnen,
Russen, Weißrussen, Ukrainer und Deutsche sind vertreten .
Die Staatsform ist eine Parlamentarische Demokratie. Staatsoberhaupt
seit Januar 2003 ist Rolandas Paksas von der Liberalen Union. Regierungschef
seit 2001 ist Algirdas Brazauskas von der Sozialdemokratischen Koalition.
Ende der achtziger Jahre erster Mann der Kommunistischen Partei
Litauens, dann erster gewählter Präsident des unabhängigen
Landes und - nach einer kurzen Pause nun Litauens Ministerpräsident.
Wirtschaft
Der Handel Litauens ist stark mit Osteuropa verflochten. Russland
versorgt Litauen mit Energie und Rohstoffen und ist Abnehmer für
Textilien und Lebensmittel. Doch auch Großbritannien, Lettland
und Deutschland sind bereits größere Exportmärkte.
Energie ist Litauens wichtigste Handelsware, umsatzstärkstes
Unternehmen dabei die Raffinerie Mazeikiai. Sie ist teils in Staatsbesitz,
teils - in Händen der russischen Yukos. Zudem exportiert Litauen
weiter Atomstrom aus der Anlage Ignalina, deren beide Reaktoren
aber auf Druck der EU aus Sicherheitsgründen 2005 und 2009
geschlossen werden sollen. Der Reaktor aus der Sowjetzeit besitzt
keine Ummantelung und somit keinen ausreichenden Schutz.
Ignalina ist heikles Thema. Lange wehrte sich die litauische Politik
gegen die Schließung Ignalinas. Das Kernkraftwerk decke schließlich
80% des landeseigenen Strombedarfs ab. Außerdem erhält
Litauen durch Exporte an seine Nachbarn wichtige Einnahmen. Und
das Kernkraftwerk ist der Motor einer ganzen Region. In der Stadt
Visaginas im äußersten Nordosten des Landes leben 30.000,
zumeist russischsprachige Menschen. Sie kamen während der Sowjetzeit
nach Litauen, um im Kraftwerk zu arbeiten. Schließt es, dann
stürbe die Stadt, und die Einwohner Innen blieben ohne Perspektive
zurück: Zwar bekamen sie - im Gegensatz zu den RussInnen in
Estland und Lettland - mit der Unabhängigkeit des Landes sogleich
einen litauischen Pass zuerkannt. Doch Die meisten hier sprechen
auch im Jahre 13 nach der Unabhängigkeit kein Litauisch und
haben so auf dem nationalen Arbeitsmarkt keine Chance.
Erst als die EU die Abschaltung der beiden Reaktoren von Ignalina
zu einer Bedingung für den Beitritt Litauens machte wurde zähneknirschend
zugestimmt.
Ausländische Investoren sind längst in den litauischen
Energiemarkt eingestiegen. Der litauische Staat plant seine noch
mehrheitlich von öffentlicher Hand geführten Stromverteilungsnetze
weiter zu privatisieren. Rund 20% der Unternehmen gehören bereits
dem deutschen Stromkonzern Eon und dessen Tochter Ruhrgas.
Grundsätzlich haben aber viele LitauerInnen Angst vor einem
Ausverkauf an kapitalstarke Ausländische Firmen. Zumindest
für Landkäufe sollte dieser Angst Abhilfe geschaffen werden
und eine siebenjährige Übergangsfrist für Landkäufe
wurde formuliert.
Lebensqualität
Die Durchschnittsgehälter in Litauen sind niedrig. Ein Durchschnittslohn
liegt bei etwa 1.000 Litas, umgerechnet 350 Euro, im Monat. Bei
einem Preisniveau, das nicht mehr weit unter europäischem Standard
liegt, entsteht viel Armut. Das Gefälle zwischen Stadt und
Land ist dramatisch. Litauen war in Sowjetzeiten ein Agrarland.
Doch nur noch 16% der LitauerInnen sind noch in dem Sektor beschäftigt,
der durch den EU-Beitritt einer harten Konkurrenz ausgesetzt wird.
Viele Kleinbauern sehen kaum eine Überlebenschance.
Die Jungen gehen alle in die Städte - vor allem in die Hauptstadt
Vilnius. Zwanzig- bis Dreißigjährige sind auf dem Lande
kaum zu sehen und so drohen Ganze Gegenden Litauens zu vergreisen:
Zwar wurden die Kolchosen nach der Unabhängigkeit Litauens
aufgelöst und an die Menschen verteilt. Allerdings fehlt vielen
das Geld, das Land zu bewirtschaften. Auch die EU bietet diesbezüglich
wenig Hoffnung. Alle Agrar- und Strukturhilfen basieren auf dem
Prinzip der Kofinanzierung. Mit anderen Worten: Beantragt man Zuschüsse,
so kommt man um einen finanziellen Eigenanteil nicht herum. Für
die Menschen in Litauen ist das eine Utopie.
Soziales
Kestutis Petrauskis, ist Journalist, einer der sich zunächst
als kritische Stimme einen Namen machte und heute an der Spitze
des staatlichen litauischen Rundfunks steht. Litauen sagt Petrauskis
Liatuen ist ein Land der Kontraste,. Und ein Land, in dem derzeit
der Turbokapitalismus regiert: Er erzählt:
Das Land ist wirklich in einer sehr schnellen Entwicklung. Wir
haben momentan die größten Wachstumsraten in Europa.
Wir haben im ersten Quartal plus 9,5% erzielt, im zweiten Quartal
mehr als 7%.
Doch es gibt eben nicht nur Gewinner dieser Entwicklung. Vor allem
die Alten und die Menschen auf dem Lande fallen der Dynamik des
Wandels zum Opfer:
Nach den Jahren der russischen Herrschaft und nach den Jahren des
Kommunismus will keiner hier im Lande, oder sehr wenige wieder Egalität
haben. Die Gesellschaft ist eigentlich gespalten. Die Jungen, die
sehr erfolgreich sind, wollen nicht mehr auf die Alten aufpassen.
Die Menschen, die in den Großstädten leben, wollen nicht
die Probleme von Menschen sehen, die irgendwo in den Agrargebieten
leben. Ich würde ganz vereinfachen: Die Leute wollen reicher
werden. Und das ist dieser Motor, der uns treibt, immer wieder etwas
Neues zu machen, was Besseres zu machen, besser leben, besser verdienen.
Es gab vor ein paar Jahren die Rede über die progressive Steuer.
Und man wollte die progressive Steuer einführen, um eben Gleichheit
zu erzielen. Aber sogar die Sozialdemokraten, die linken Parteien,
haben das sofort abgelehnt und haben gesagt: Nein, das geht nicht,
denn das ist ein Stopp für die Entwicklung - die Menschen,
die besser arbeiten, die mehr arbeiten, müssen auch mehr verdienen.
Und es wird noch, ich denke sicher eine Generation dauern, bis die
Diskussion über die Gleichheit wieder in Gang kommt.
Bildung und Wissenschaft
"Es gibt kein Land des Ostblocks, in dem man mit so viel
Optimismus und Risikobereitschaft aus der Wissenschaft heraus kleine
Firmen gegründet hat" heißt es aus der wissenschaftlichen
Ecke über Litauen und gebannt wird auf die Truppe um Professor
Algis Piskarskas aus Vilnius geschaut. Sie gehört Im Bereich
der Laserphysik zur Weltspitze und ihre innovationen sind Meilensteine
in der Anwendung von Lasertechnik bei der medizinischen Tumorbekämpfung.
Dem wissenschaftlichen Nachwuchs in Litauen wird es aber nicht
leicht gemacht in solche Fußstapfen zu treten. Die aktuelle
Situation in Litauen ermöglicht ein Studium nur durch große
Anstrengungen:
Ein Studium kostet in Litauen im Jahr durchschnittlich 1.000 bis
1.300 Euro. Hochgerechnet auf die 4 Jahre Studienzeit ergibt das
etwa 5.000 Euro und das Durchschnittseinkommen liegt wie gesagt
nur bei ca. 350 Euro. Studieren können also nur Leute aus sozial
privilegierten Familien oder StudentInnen, die hart nebenher arbeiten.
Ugne Naujokaityte ist engagiert bei der Litauischen Studierendenvertretung
LSS.
Sie erzählt:
Es war gar nicht leicht sich als Studierendenvertretung Gehör
zu verschaffen. Wir mussten schon ein ganze Menge Einfluss nehmen,
damit es den Hochschulen nach Inkrafttreten des neue Hochschulrahmengesetzes
nicht schlecht geht. Hinzu kommt, dass wir Probleme mit der Qualitätssicherung
haben. Viele Professoren stammen noch aus Sowjet-Zeiten und sehen
sich als Chef auf dem Campus, nur weil sie einen Titel tragen. Sie
leisten keine gute Arbeit, natürlich nicht alle! Aber es gibt
solche Fälle.
Trotzdem, sagt sie, führe das nicht dazu, dass die Studierenden
das Wort erheben, dass liege auch an der Mentalität. Das Verhältnis
zu den Hochschullehrern bleibe unpersönlich.
Studierende sind heutzutage offener als früher und ich glaube,
das verstehen nicht alle Hochschullehrer. Sie wollen lieber Distanz
wahren und deshalb ist es schwer mit ihnen guten Kontakt zu haben.
Sie schauen irgendwie auf einen herab. Viele Studierende scheuen
deshalb, ihre Meinung zu sagen. Denn die Praxis zeigt, wer seine
Meinung sagt, etwas was dem Professor vielleicht nicht gefällt,
der riskiert schlechte Noten zu bekommen.
Unser Problem ist, wie gesagt, die Qualitätssicherung im Studium.
Und die Finanzmittel, die ausgegeben werden, um die Studierenden
für den Arbeitsmarkt in der EU vorzubereiten, sind nicht üppig.
Die Regierung müsste mehr dafür ausgeben. Wir glauben,
dass einige unserer Bachelor und Master nicht konkurrenzfähig
sein werden.
Soweit Naujokaityte von der Litauischen Studierendenvertretung.
Sport
Sport Nummer Eins in Litauen ist Basketball. Alle sind am dribbeln
und Körbe werfen und die Litauische Nationalmannschaft in Basketball
ist der reinste Überflieger. So zogen sie auch bei der letzten
Basketball-Europameisterschaft Ins Finale und gewannen. Seither
steckt Litauen noch mehr im Basketball Fieber.
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