Schwerpunkt - 25.02.2004
Die Geschichte des Zypern-Konflikts
In den Gastrollen: Rußland, GB, Frankreich, Sowjetunion

Die ursprünglich zum Osmanischen Reich gehörende Insel war nach dem Ende des Russisch-Türkischen Krieges (1777 / 78) unter britische Kontrolle gelangt. Während des ersten Weltkrieges übernahm Großbritannien dann auch formell Zypern als Kronkolonie.

Der griechisch-zypriotische Bevölkerungsteil strebte einen Anschluss der Insel an Griechenland an - ein Vorhaben, dem sich die türkischen Zyprioten mit allen Mitteln widersetzten. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts nahm dieser Kampf zeitweilig die Form eines Guerilla-Krieges an.

Eine zusätzliche Belastung erfuhren die Beziehungen beider Bevölkerungsgruppen durch den jahrhundertealten Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei, der nach dem ersten Weltkrieg in bislang ungekannter Schärfe entbrannte. Damals war Griechenland bemüht, mit britisch-französischer Unterstützung einen Großteil der verbliebenen Resttürkei zu annektieren.

Die von Sowjetrussland unterstützte Türkei unter Atatürk schlug in einem blutigen Krieg diese Angriffe zurück und eroberte auch die damals Griechenland zugestandenen Gebiete im Raum Izmir. Nach dem Friedensschluss mussten Millionen GriechInnen und TürkInnen zwangsweise ihre bisherige Heimat verlassen. Zahlreiche ungelöste Fragen - wie zum Beispiel die Seegrenze in der Ägäis - sorgen bis in die Gegenwart für gespannte Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

1960 entließ Großbritannien Zypern in die Unabhängigkeit. Ein von der Verfassung garantiertes Proporzsystem bei Regierung und Verwaltung, die der türkisch-zypriotischen Minderheit einen Anteil von 30 Prozent sicherte, sollte den inneren Konflikt entschärfen.

Versuche der griechischen Zyprioten unter Präsident Makarios, an diesem System zu rütteln, bewirkten schon kurz nach der Unabhängigkeit bewaffneten Widerstand der türkischen Zyprioten. Für die UNO waren diese Auseinandersetzungen im Jahre 1964 der Grund für die Stationierung einer UN-Friedenstruppe, deren Mandat bis heute immer wieder verlängert wurde.

Ein Putsch gegen die Regierung Makarios im Jahre 1974 durch Offiziere, die mit dem faschistischen Athener Obristen-Regime in Verbindung standen, bot der Türkei einen Vorwand, den nördlichen Teil der Insel zu besetzen. Die griechische Bevölkerung floh in den Süden, umgekehrt flüchtete die türkische in den Norden. Seit 1974 leben die EinwohnerInnen der Insel ethnisch und religiös getrennt. Vor 1974 existierten griechischorthodoxe Christen und türkische Moslem ganz selbstverständlich miteinander - In zig Dörfern stehen nebeneinander Moscheen und Kirchen.

Viel wurde von außen unternommen, um die Konfliktparteien an eine Tisch zu bekommen und eine Aussöhnung und die Aufhebung der Inselteilung zu erzielen. Doch beständig scheiterten die Gespräche. Aber nun geht es ruckzuck, denn Zypern wird am 1. Mai EU Mitglied und bis dahin soll die Inselteilung beendet sein.

Nachdem sich die Uno schon mit der sogenannten Butros Ghali Initiative die Zähne an Zypern ausgebissen hat, scheint sein Nachfolgeprojekt mit dem sogenannten Kofi Annan Plan mehr Glück zu haben. Was wohl in erster Linie nicht mit den Inhalten des Plans zu tun hat, als viel mehr mit dem Zeitdruck und dem Tür Auf oder Tür zu der EU.

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