Schwerpunkt - 25.02.2004
Tourismusboom im Südteil der Insel
Die historischen Ursachen

Ayia Napa im Südosten Zyperns war vor 30 Jahren ein kleines Fischerdörfchen - nun ist es eine wuselige Amüsiermeile mit einer Ansammlung von Karaokebars, dröhnenden Discotheken und USamerikanischen Fastfood-Ketten. Vor allem junge PauschaltouristInnen zieht es hier her. Die meisten von ihnen kommen aus England. Bis in die frühen Morgenstunden fließt der Alkohol. Tagsüber wartet der Badeort, der sich über fünf Kilometer an der Küste entlang schlängelt, mit zahlreichen Attraktionen auf. Ausflüge mit Schiffen, Paragliding, Tauchen oder Wasserski.

Ayia Napa ist, wie die meisten anderen Tourismusorte im Süden der Insel, eine Folgeerscheinung der türkischen Invasion im Jahre 1974.

  • Fast 40 Prozent des Territoriums waren verloren

  • 70 Prozent der gesamten Produktionskapazität lagen im Norden

  • Drei von vier Hotelbetten standen in Famagusta oder Kyrenia. Der Süden war ein touristisches Niemandsland

  • Auch die größten Anbauflächen für Zitrusfrüchte und Getreide waren verloren

  • Der wichtigste Hafen, Famagusta, blieb geschlossen und auch aus der Luft war Zypern nicht mehr zu erreichen. Der internationale Flughafen von Nikosia lag unzugänglich in der Pufferzone der UNO-Friedenstruppe.

  • Die Arbeitslosenquote schnellte im Jahre 1974 - schon alleine wegen der zahllosen Flüchtlinge - auf fast 40 Prozent.

Die damalige Regierung musste schnell handeln, um Häuser für die Flüchtlinge zu bauen und Arbeit für sie zu finden. Neue Häfen und Flughäfen mussten gebaut werden. Eine Industrie musste ins Leben gerufen werden. Dem Tourismus galt dabei höchste Priorität. Von der Dramatik der 70er Jahre ist heute auf der Insel nur noch wenig zu sehen und zu spüren.

  • Die Flüchtlingslager sind aufgelöst und haben festen Siedlungen Platz gemacht

  • Zwei neue Flughäfen, Larnaka und Paphos sind im Südteil entstanden

  • Entlang der Küste reihen sich Hotels an Restaurants und Bars an Hotels

Die Republik Zypern hat Kapazitäten für bis zu drei Millionen BesucherInnen im Jahr. Die Folge: Kaum ein Küstenabschnitt ist heute unbebaut. Bis zu zehn Stockwerk hohe Bettenburgen dominieren die einst idyllischen Sandbuchten.

Der Fremdenverkehr ist Zyperns größter Arbeitgeber. 40.000 Menschen - das heißt jede neunte - arbeitet in Hotels, Restaurants oder Mietwagenunternehmen. Und die Touristen kommen zu Hauf, denn Zypern hat ihnen viel zu bieten.

  • Fast jeden Tag scheint hier die Sonne und die Touris können auf über 300 Kilometer Küstenstreifen im Meer planschen

  • Dazu wartet Zypern mit einer 7.000 jährigen Geschichte auf. Zahllose Tempel, Amphitheater und Klöster warten auf eine Besichtigung

  • Landschaftliche Abwechslung bringt das Troodos Gebirge. Auf dem Höchsten Gipfel, dem knapp 2.000 Meter hohen Olymp, wird im Winter Ski gefahren. Und Zypern verfügt über eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete des Mittelmeers - inklusive zahlreicher Nationalparks: ideale Bedingungen also für Wanderungen

Der Tourismus ist Arbeitgeber und Devisengarant. Doch der Massentourismus zieht auch den Groll der Bevölkerung auf sich.

  • Zum einen ist die Umwelt betroffen. Verpackungsreste werden sorglos am Strand liegengelassen oder einfach aus dem Auto geworfen. Die Regierung ist mittlerweile dazu übergegangen, große Verbotschilder an die Straßen zu stellen: Das Wegwerfen von Müll steht seither unter Strafe!

  • Zum anderen können Zyprioten nicht mehr auf ihre eigenen Strände - sie sind überfüllt und kosten Geld.

Trotz dieser Nachteile, genießt der Tourismus in der Regierung auch in Zukunft höchste Priorität. Aktuell ist der Bau von vier neuen Jachthäfen und neuen Golfplätzen in Planung.

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