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Nachdem der erste Schock über den Terroranschlag in Madrid
vorbei ist, wächst die Angst vor weiteren Attentaten. Und mit
ihr der Druck auf die Europäische Union, wirkungsvolle und
hochtönende Maßnahmen gegen den Terrorismus zu ergreifen.
Die irische Ratspräsidentschaft plant nun am kommenden Montag
einen Sondergipfel der EU- Innen- und Justizminister abzuhalten.
Dabei sollen ein Aktionsplan eingeläutet und zwischen den EU-Staaten
abgestimmt werden.
Die EU Kommission will heute ebenfalls einen Anti-Terror-Aktionsplan
präsentieren.
Die Angst wird instrumentalisiert, um langgehegte Forderungen nun
durchpeitschen zu können. Dazu gehört u.a. eine höhere
Befugnisskala des Europäischen Polizeiapparates Europol, die
Gründung eines Europäischen Geheimdienstes und der stärkere
Zusammenschluss aller
Sicherheits-, Polizei- und Nachrichtendienste der EU inklusive vereinfachtem
Datentransfer.
Der bereits abgesegnete europäische Haftbefehl soll in den
nichtpraktizierenden Ländern wie Griechenland und Italien durchgedrückt
und die Repressionen in der Ausländer - und Asylpolitik erhöht
werden.
Doch nicht nur Aufgewärmtes ist geboten - es existieren auch
neue, "innovative" Vorschläge, wie z.B. die Ernennung
eines europäischen EU Anti Terror Kommissars.
Im sogenannten Kampf gegen den Terror könnten sogar Änderungen
der Verfassungen der EU Staaten durchgeführt werden. So plant
das deutsche Innenministerium künftig die Marine einzusetzen,
um terroristische Bedrohungen auf dem Seeweg zu bannen. Eine ähnliche
Regelung für die Luftwaffe ist mit dem sogenannten Luftsicherheitsgesetz,
das derzeit beraten wird, bereits auf den Weg gebracht worden. Sollte
sich dabei ergeben, dass eine "Klarstellung" der Verfassung
erforderlich sei, "dann kann da was gemacht werden", so
ein Sprecher Schilys.
Zudem will Innenminister Schily auch die Weitergabe von sensiblen
Flugpassagierdaten an die USA erlauben, obwohl das Justizministerium
dies für problematisch hält. Außerdem unterstützt
Deutschland eine spanische Initiative, wonach die Daten von Personen
aus Nicht-EU-Staaten bei der Einreise in die EU automatisch an die
Sicherheitsbehörden transferiert werden sollen.
Ein Name existiert bereits für das heiß ersehnte Netzwerk
der europäischen Polizei- und Sicherheitsdienste: Der Europäische
Informationsbund. Das klingt doch engagiert, brav und unaufgeregt.
Auch das Treffen der Staats-und Regierungschefs am 25. und 26.
März in Brüssel wird ganz im Zeichen der Terrorismus-Bekämpfung
stehen. Und wir warten auf das lange neue Regelwerk für die
gute Überwachungssache.
Wally Geyermann sprach mit Sven Engel, er ist Abgeordneter des
EU Parlaments, innenpolitischer Sprecher der VEL, der Vereinigten
Europäischen Linken und aufmerksamer Beobachter der offiziellen
Reaktionen auf Madrid.
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